AEVO praktische Prüfung: Präsentation oder Unterweisung, Konzept und Fachgespräch
Die praktische AEVO-Prüfung dauert höchstens 30 Minuten. Du präsentierst eine berufstypische Ausbildungssituation oder führst sie praktisch durch, höchstens 15 Minuten, danach folgt das Fachgespräch. Bei vielen IHKs zählen beide Teile je zur Hälfte, bestanden ist ab 50 von 100 Punkten. Die Einzelheiten regelt das Merkblatt deiner Kammer.
Die praktische Prüfung ist der Teil der Ausbildereignungsprüfung, den kein Fragenkatalog vorbereitet. Hier zeigst du, dass du eine Ausbildungssituation planen, durchführen und begründen kannst. Die Grundregeln stehen in § 4 Absatz 3 der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO), die Einzelheiten in den Merkblättern der IHKs, und die unterscheiden sich in wichtigen Punkten. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die Kammern übereinstimmend verlangen und wo du nachsehen musst. Den schriftlichen Teil behandelt der Beitrag AEVO Prüfungsfragen mit Lösung.
Ablauf der praktischen AEVO-Prüfung
Die AEVO sagt in drei Sätzen, worum es geht: Der praktische Teil besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch, zusammen höchstens 30 Minuten. Du wählst eine berufstypische Ausbildungssituation, die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten, und anstelle der Präsentation kannst du die Situation praktisch durchführen. Im Fachgespräch erläuterst du Auswahl und Gestaltung. In der Landwirtschaft und der Hauswirtschaft gilt eine eigene Regel mit bis zu 60 Minuten (§ 4 Absatz 4 AEVO).
So läuft der Tag in der Praxis ab:
- Thema einreichen. Du benennst vorher die Ausbildungssituation auf einem Formblatt. Die IHK Würzburg-Schweinfurt lässt es bis zu einem Stichtag online hochladen, die IHK Nürnberg will den unterschriebenen Vordruck in dreifacher Ausfertigung zu Beginn der Prüfung, die IHK Darmstadt vierfach.
- Termin. Bei der IHK Nürnberg beginnt der praktische Teil in der Regel einen Tag nach der schriftlichen Prüfung und kann sich über bis zu drei Wochen ziehen; den genauen Termin nennt die Einladung.
- Aufbau. Die IHK Nürnberg gibt dir höchstens 10 Minuten zum Aufbau und 5 Minuten zum Abbau, die IHK Darmstadt höchstens 5 Minuten zum Einrichten. Diese Zeit zählt nicht zur Prüfungszeit.
- 15 Minuten Präsentation oder Durchführung. Die Uhr läuft. Eine Überschreitung führt bei der IHK Darmstadt zur Abwertung.
- Fachgespräch. Etwa 15 Minuten, bei der IHK Darmstadt mindestens 15 Minuten, je nachdem, wie lange dein Teil gedauert hat.
- Ergebnis. Bei der IHK Darmstadt sagt dir der Ausschuss direkt danach, ob du bestanden hast.
Präsentation oder praktische Durchführung
Die wichtigste Entscheidung triffst du lange vor dem Prüfungstag. Beide Formen sind gleichwertig zugelassen, aber sie verlangen Verschiedenes.
| Präsentation | Praktische Durchführung | |
|---|---|---|
| Wer ist dein Publikum? | der Prüfungsausschuss, er bleibt in seiner Rolle | ein Azubi, mit dem du die Situation durchspielst |
| Wer spielt den Azubi? | niemand | je nach IHK: eine Person, die du mitbringst (Darmstadt, Chemnitz, Aschaffenburg), oder ein Ausschussmitglied (Nürnberg, Würzburg-Schweinfurt) |
| Typische Methoden | längere, selbstgesteuerte Einheit, oft nach dem Modell der vollständigen Handlung | 4-Stufen-Methode, Lehrgespräch, Gesprächssituationen |
| Medien | Pflicht: die IHK Ostwestfalen verlangt eine visuelle Unterstützung | Arbeitsmittel des Ausbildungsplatzes |
Ein IHK-Merkblatt zur praktischen Prüfung (Stand April 2025) zieht eine klare Grenze: Wer präsentiert, soll die Lernprozessbegleitung einer Methode zeigen, die berufliche Handlungskompetenz fördert. Die Präsentation einer konventionellen Methode wie der 4-Stufen-Methode oder des fragend-entwickelnden Lehrgesprächs ist dort ausgeschlossen. Bei der IHK Würzburg-Schweinfurt dagegen ist die Durchführung immer ein Rollenspiel mit der klassischen oder modifizierten Vier-Stufen-Methode. Wie die Methode funktioniert, steht im Beitrag 4-Stufen-Methode: Ablauf und Beispiel.
AEVO Präsentation: Aufbau und Inhalt
Eine Präsentation ist mehr als das Vorlesen vorbereiteter Karten. Die IHK Darmstadt nennt als inhaltliche Mindestanforderungen:
- den Adressaten der Präsentation, also Prüfungsausschuss oder Geschäftsleitung, vorher angesagt
- Eröffnung und Vorstellung des Themas
- Beschreibung der Ausgangssituation und Analyse
- Zielformulierung
- Methodenwahl, alternative Methoden und Begründung
- einen strukturierten Aufbau
Dazu kommen formale Punkte: sicherer Umgang mit Medien und Kommunikation, also Verständlichkeit, Blickkontakt und Auftreten. Die IHK Würzburg-Schweinfurt empfiehlt, dein didaktisches Konzept über Leitfragen zu klären: Was soll vermittelt werden, wem, warum, wann, womit, wo, wie, und wie kontrollierst und sicherst du den Lernerfolg? Flipchart oder Metaplankarten werden nach Angabe der IHK Aschaffenburg gleichwertig bewertet wie Folien am Laptop. Einen Laptop stellen die IHK Ostwestfalen und die IHK Darmstadt nicht; bei der IHK Nürnberg steht ein PC im Prüfungsraum.
Unterweisung: die praktische Durchführung
Bei der Durchführung zeigst du eine Unterweisung, so wie du sie mit einem echten Azubi halten würdest. Die IHK Darmstadt bewertet:
- Einstieg, Vorkenntnisse, Darstellung des Lernziels, strukturierten Aufbau
- Aktivierung und Motivation des Auszubildenden
- Kommunikation mit dem Auszubildenden
- eine geeignete Methodenwahl
- Lernerfolgskontrolle, Lernerfolgssicherung, Transfer
- den Einsatz von Medien und Betriebsmitteln
Ein Merkblatt aus dem April 2025 verlangt außerdem, dass dein Thema in der betrieblichen Praxis einer Einheit von mindestens 45 Minuten entspricht, von der du in der Prüfung etwa 15 Minuten zeigst. Die IHK Würzburg-Schweinfurt weist darauf hin, dass echtes Üben in 15 Minuten nicht möglich ist; ein Hinweis zum Üben genügt, damit der Ausschuss sieht, dass du seine Bedeutung kennst. Lege Arbeits- und Hilfsmittel doppelt bereit, so empfiehlt es dieselbe Kammer.
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Konzept und Vorlage für die praktische Prüfung
Die meisten Kammern wollen vorher eine kurze schriftliche Beschreibung deiner Ausbildungssituation. Wie viel Gewicht sie hat, ist verschieden: Die IHK Chemnitz und die IHK Darmstadt schreiben ausdrücklich, dass das Konzept nicht bewertet wird. Die IHK Nürnberg nennt dagegen die „Übereinstimmung mit der Planung“ als Bewertungskriterium, und die IHK Limburg begrenzt das schriftliche Konzept auf höchstens 10 Seiten mit einer Erklärung, dass du es selbst erstellt hast. Die Vorlagen unterscheiden sich von Kammer zu Kammer; nimm das Formblatt deiner IHK.
Die IHK Ostwestfalen schlägt für das Deckblatt des Entwurfs diese Gliederung vor:
- Allgemeine Angaben: Ausbildungsberuf, Thema und Einordnung mit Auszug aus der Ausbildungsverordnung, Zahl der Azubis, Ausbildungsstand, Lernort, Zeitdauer bis 15 Minuten
- Kurzanalyse der Lerngruppe und Lernvoraussetzungen
- Didaktische Entscheidungen und Einordnung der Stoffauswahl
- Handlungskompetenz der Unterweisung
- Methodische Entscheidungen und Methodenwahl, beschrieben und begründet
- Motivation und Problembewusstsein
- Sicherung des Lernerfolgs und Lernerfolgskontrolle
- eine Planungsskizze mit Phasen, Medien und Zeit
Eine IHK-Vorlage für den Unterweisungsentwurf (Stand April 2025) fragt zusätzlich nach Richtlernziel, Groblernziel und Feinlernziel und nach dem kognitiven, affektiven und psychomotorischen Anteil des Lernziels. Im AEVO Trainer planst du dein Konzept in acht Punkten: Thema, Zielgruppe, Feinlernziel, Lernzielbereiche, Methode, Ablauf, Medien und Erfolgskontrolle.
Themen für die praktische AEVO-Prüfung
Das Thema muss aus dem Ausbildungsrahmenplan des Berufs stammen, für den du fachlich geeignet bist; ein Thema aus deiner aktuellen Tätigkeit ist zulässig. Betriebsspezifische und allgemeinbildende Themen, die sich nicht aus einem Ausbildungsrahmenplan oder der AEVO ableiten lassen, schließt das Merkblatt vom April 2025 aus. Beispiele aus den Merkblättern der Kammern:
| Form | Beispielthema | Quelle |
|---|---|---|
| Durchführung | Paketannahme (Fachkraft für Lagerlogistik) | IHK Würzburg-Schweinfurt |
| Durchführung | Tisch eindecken (Restaurantfachmann/-frau) | IHK Würzburg-Schweinfurt |
| Durchführung | Austausch einer Grafikkarte (Fachinformatiker/in) | IHK Würzburg-Schweinfurt |
| Durchführung | Motivationsgespräch mit einem Azubi | IHK Darmstadt |
| Durchführung | Personalakte für neue Mitarbeitende erstellen | IHK Darmstadt |
| Präsentation | Lernschwierigkeiten bei einem Azubi | IHK Darmstadt |
| Präsentation | Planung eines Einführungsseminars für Azubis | IHK Darmstadt |
| Präsentation oder Durchführung | Beurteilungsgespräch, Kritikgespräch, Einweisung von Ausbildungsbeauftragten | IHK Ostwestfalen |
Die IHK Darmstadt betont, dass solche allgemeinen Beispiele für die Prüfung unbedingt praxisbezogen konkretisiert werden müssen. Am besten eignet sich eine Situation aus dem Beruf, den du selbst gelernt hast oder seit Jahren ausübst.
Fachgespräch in der praktischen Prüfung
Das Fachgespräch ist kein Abfragen von Theorie, sondern die Begründung deiner Ausbildungssituation. Die IHK Ostwestfalen nennt als mögliche Bezüge: Phasen der Unterweisung, Strukturierung und Ablauf, Gestaltung von Medien und Arbeitsmitteln, Adressatenanalyse, didaktische und methodische Entscheidungen, Motivation, Themenwahl, gesetzliche Rahmenbedingungen und Berufs- und Arbeitspädagogik. Die IHK Darmstadt bewertet Ausbilderkompetenz, das Erreichen des gewählten Ziels, Methoden mit Begründung und Alternativen und weitere Maßnahmen zur Lernerfolgssicherung.
Rechne mit Fragen wie diesen: Warum diese Methode? Welche Alternative gäbe es? Wie lautet dein Feinlernziel, und woran misst du es? Wie hast du die Vorkenntnisse ermittelt? Was tust du, wenn der Azubi das Ziel nicht erreicht? Übe die Antworten laut, am besten mit einer zweiten Person. Im AEVO Trainer stehen 18 Fachgespräch-Fragen mit den Punkten, die eine Antwort treffen sollte; drei davon sind kostenlos, alle 18 gehören zum Vollzugang.
Bewertung und Bestehen der praktischen Prüfung
Bei der IHK Ostwestfalen und der IHK Limburg gehen Präsentation oder Durchführung und Fachgespräch je zu 50 Prozent in die Bewertung ein. Bestanden ist der praktische Teil, wenn insgesamt mindestens 50 Punkte erreicht sind (IHK Darmstadt). Die IHK Nürnberg bewertet unter diesen Gesichtspunkten:
| Kriterium | Was gemeint ist |
|---|---|
| Zielorientierung | Zuarbeiten auf das angestrebte Ziel |
| Zeitrahmen | Einhaltung der zeitlichen Vorgaben |
| Visualisierung | Medieneinsatz als angemessene Unterstützung |
| Kommunikative Kompetenz | Körpersprache, Sprachstil, Ausdrucksweise, Einfühlungsvermögen |
| Vorbereitung | Unterlagen und Arbeitsmittel für einen reibungslosen Ablauf |
| Gliederung | der rote Faden im Ablauf |
| Didaktik und Methodik | für das Thema geeignet und richtig umgesetzt |
| Übereinstimmung mit der Planung | was du eingereicht hast, zeigst du auch |
Mitgebrachte Handouts berücksichtigt die IHK Nürnberg bei der Bewertung nicht. Ein IHK-Prüfungsausschuss besteht nach Angabe der IHK Darmstadt aus mindestens drei Personen, und alle bewerten mit. Fällst du durch, kannst du die Prüfung nach § 4 Absatz 1 AEVO zweimal wiederholen; ein bestandener Teil kann angerechnet werden.
Checkliste für den Tag der praktischen Prüfung
- Formblatt oder Konzept in der verlangten Zahl von Kopien, unterschrieben
- Arbeits- und Hilfsmittel, bei einer Durchführung doppelt
- ein Plan B, falls Laptop oder Beamer streiken; die IHK Darmstadt und die IHK Nürnberg verlangen ihn ausdrücklich
- eine eigene Uhr: Handy und Smartwatch dürfen bei der IHK Darmstadt nicht verwendet werden
- bei einer Durchführung den Azubi, falls deine IHK das verlangt
- ein Ablauf, der in unter 15 Minuten fertig ist
Bevor es in den praktischen Teil geht, steht bei den meisten Kammern der schriftliche Teil an. Was dort gefragt wird, zeigt der Beitrag AEVO Prüfungsfragen, den Überblick über beide Teile gibt die Seite Die AEVO-Prüfung kurz erklärt.
Quellen: Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO), § 4; IHK Nürnberg, Ausbildereignungsprüfung und Information zum praktischen Prüfungsteil; IHK Darmstadt, Handreichung zum Prüfungsablauf, Dezember 2024; IHK Ostwestfalen, Handreichung zur Prüfung nach der AEVO; IHK Würzburg-Schweinfurt, Merkblatt 2026; IHK Chemnitz, Merkblatt AdA; IHK Limburg, Merkblatt zur Ausbildereignungsprüfung; IHK Aschaffenburg, Wichtige Informationen zur Ausbilder-Eignungsprüfung; IHK-Merkblatt zur praktischen Prüfung, Stand April 2025; IHK-Vorlage Unterweisungsentwurf, Stand April 2025. Stand: 18. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die praktische AEVO-Prüfung?
Höchstens 30 Minuten (§ 4 Absatz 3 AEVO). Die Präsentation oder Durchführung soll 15 Minuten nicht überschreiten, der Rest ist Fachgespräch. Auf- und Abbau zählen nicht dazu; die IHK Nürnberg rechnet mit etwa einer Stunde vor Ort.
Präsentation oder Durchführung: was ist besser?
Das hängt von deinem Thema ab. Eine Durchführung zeigt eine Unterweisung mit einem Azubi, etwa mit der 4-Stufen-Methode. Eine Präsentation erklärt dem Ausschuss, wie du eine längere Ausbildungssituation planst und begleitest. Manche IHKs schließen konventionelle Methoden wie die 4-Stufen-Methode in der Präsentation aus.
Wird das Konzept für die praktische Prüfung bewertet?
Bei der IHK Chemnitz und der IHK Darmstadt ausdrücklich nicht. Die IHK Nürnberg bewertet aber die Übereinstimmung mit der Planung, und die IHK Limburg begrenzt das Konzept auf 10 Seiten. Lies das Merkblatt deiner IHK.
Muss ich für die Unterweisung einen eigenen Azubi mitbringen?
Das ist je nach Kammer verschieden. Bei der IHK Darmstadt, Chemnitz und Aschaffenburg bringst du die Person selbst mit. Bei der IHK Nürnberg und der IHK Würzburg-Schweinfurt spielt ein Mitglied des Prüfungsausschusses den Azubi.
Wann ist die praktische AEVO-Prüfung bestanden?
Wenn Präsentation oder Durchführung und Fachgespräch zusammen mindestens 50 von 100 Punkten ergeben. Bestanden ist die ganze Prüfung erst, wenn auch der schriftliche Teil mindestens ausreichend ist.